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Lesen Sie hier die neue Ausgabe des KNABENCHOR HANNOVER CHORMAGAZIN.

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Weihnachten 2009

Lesen Sie hier den Pressespiegel zu den Weihnachtskonzerten 2009

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Marktkirche, Hannover, 04. und 05.12.2009

Singen und Sirenen

Der Knabenchor Hannover in der Marktkirche

Sie ist an diesem Abend eine Trutzburg der Besinnung. Rund um die Marktkirche drängen sich Weihnachtsmarktbuden und manchmal in einer leisen Passage von Mendelssohns "Jauchzet dem Herrn alle Welt" etwa, hört man von draußen das Klingen und Rasseln und Juchzen. Und eine Polizeisirene.

Draußen ist die Welt, drinnen aber singt der Knabenchor Hannover sein Weihnachtsprogramm. In der ausverkauften Kirche legen sich Kinder- und Jungen- und einige Männerstimmen zu sanfter Einschmeichelung übereinander, zu tiefer, anrührender Innerlichkeit. Das beginnt schon mit Monteverdis "Ave, maris stella", wo lateinische Verse in höchster, klar artikulierter Reinheit den Raum erfüllen. Bachs doppelchörige Motette "Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf" gerät dann zu vorbildlich transparenten Glaubenshinterfragung. Und Mendelssohns Motette zu acht Stimmen "Denn er hat seinen Engeln befohlen" berührt mit weicher, hauchzarter Phrasierung. Hinzu kommt, dass Marktkirchenorganist Ulfert Smidt klanglich wunderbar differenzierte Zwischenstücke von Buxtehude und Mendelssohn einbringt, die in ihrer Verhaltenheit wie Meditationen über die Stille wirken.

Die beste Nachricht aber ist: Die nächste Generation steht schon bereit - auf der Orgelempore, wo der Nachwuchschor Malcolm Archers "Gloria" als angeswingte Glücksbotschaft anstimmt. Später dann kommen die jüngsten Knaben mit Kerzen in der Hand hinunter, gesellen sich zum Rest des Chores, wo sie bei den Weihnachtsklassikern gleichberechtigt mitsingen können. Genau wie das Publikum, das dankbar mit einbezogen wird.

Aber dann muss die Trutzburg auch wieder verlassen werden. Das verinnerlichte "Stille Nacht" noch im Ohr, tritt man auf den Weihnachtsmarkt, wo irgendjemand "O Tannenbaum" grölt. Und vielleicht wird einem erst hier draußen klar, was so ein Konzert eigentlich bedeutet: Besinnung ist kostbar.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 07. Dezember 2009

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Diepholz, Nicolai-Kirche, 12.12.2009

Besucher in Schwingung versetzt

Diepholz - Von Anette Hoffmeier· Ein abwechslungsreiches adventlich-weihnachtliches Konzert erlebten die zahlreichen Besucher des Konzertes des Knabenchores Hannover in der St. Nicolai-Kirche. Auf dem Programm standen Höhepunkte der Chorliteratur aus vier Jahrhunderten.

Claudio Monteverdis „Ave, maris stella“ bildete den Auftakt, wobei sich der 1950 gegründete Knabenchor eindrucksvoll mit seinem ganzen Können vorstellte. Hier fiel vor allem die Fähigkeit des Chores auf, äußerst leise zu singen, während Chorsolisten die Melodie trugen.

Homogen fügte sich „Übers Gebirg Maria geht“ von Johann Eccard an. Von Michael Praetorius, einem Komponisten, dessen Werke der Chor schwerpunktmäßig aufführt, wurden „Geborn ist Gottes Söhnelein“ und „Lobt Gott ihr Christen allzugleich“, zwei sehr unterschiedliche Stücke, zu Gehör gebracht. Hatte das erste eher den Charakter eines Wiegenliedes, war das zweite mit seinen starken Tempowechseln deutlich als Aufforderung zu verstehen. Hierbei konnten die Knaben mit ihrer sehr klaren Aussprache überzeugen. Jedes auch noch so schnell gesungene Wort war deutlich verständlich. Den Abschluss des ersten Teiles mit Kompositionen aus dem 16. und 17. Jahrhundert bildeten „Psallite unigenito“ eines unbekannten Komponisten und Johann Eccards „Ich steh an deiner Krippen hier“.

Es war eine Freude, den Sängern zuzuhören und auch zu sehen, wie sie Jörg Breidings Dirigat, das er seit 2002 führt, folgten, wie er immer alle Sänger im Blick hatte und deren Aufmerksamkeit und spannungsvolles Singen herausforderte.

Im Mittelpunkt standen drei Kompositionen von Johann Sebastian Bach. Die zentrale Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ wurde von zwei wundervollen Orgel-Choralbearbeitungen über „Nun komm der Heiden Heiland“ umrahmt. Diese spielte der frühere Diepholzer Kantor Henning Voss gewohnt eindrucksvoll. Der ersten Choralbearbeitung „a 2 Clav. e Pedale“ BWV 659 aus den „Achtzehn Chorälen“ wohnte ein meditativer Charakter inne. Die Melodie des Chorals erklang dabei solistisch registriert im Hauptwerk.

Ergänzt wurde dieser Block von Bach-Kompositionen durch eine eingefügte Psalmmotette von Michael Praetorius „Peccavi, fateor“ aus der Michaelisvesper. Dieses Stück wurde auf Wunsch des Chores zusätzlich ins Programm aufgenommen.

Die Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ (BWV 226) ist ein doppelchöriges Chorwerk, zu dem sich die 52 Sänger auch in doppelchöriger Aufstellung umstellten. Es sollte der Höhepunkt des Konzertes werden. Mühelos wurden von den Knaben alle Höhen ersungen. Die beiden Chorgruppen warfen sich die Einsätze professionell gegenseitig zu, es war für das Publikum in der nahezu voll besetzten Kirche eine Freude zuzuhören. Aus einfachen Worten „des Geistes“ entstand so durch achtstimmig ineinander verflochtenen Einsätzen eine sehr „geistige“ Stimmung. Besonders die Dynamikunterschiede wussten die Sänger fein herauszusingen.

Das zweite Orgelsolo („in Organo pleno“ BWV 661, ebenfalls aus den „Achtzehn Chorälen“) war charakterlich dem ersten völlig entgegengesetzt. Die Melodie erschallte im kraftvollen Plenum gespielten Stück im tiefen Posaunenregister im Pedal und versetzte Kirche wie Konzertbesucher in nachhaltige Schwingung.

Nach den zwei Psalmvertonungen „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ und „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Mendelssohn Bartholdy trugen die jungen Sänger, verteilt im Raum solistisch singend, bei Praetorius‘ „Quem pastores“ die weihnachtliche Stimmung mit dem choralen Antwortgesang durch das ganze Kirchenschiff. Auch hier war der Klang ausgewogen, die Stimmen hell und klar.

Den Abschluss bildeten Vertonungen klassischer Weihnachtslieder von Carl Thiel und Alfred Koerrpen, wobei „Stille Nacht“ und „Kommet, Ihr Hirten“ von fast allen Besuchern hätten mitgesungen werden können. Georg Friedrich Händels „Tochter Zion“ führte die Zuhörer noch einmal in die Zeit des Barock zurück. Das abschließende „Herbei, o Ihr Gläubigen“ von Friedrich Silcher erschien unter der souveränen Leitung von Jörg Breiding fast als weihnachtliche Aufforderung, indem der Chor den letzten Satz „Kommt lasset uns anbeten“ sehr mit Nachdruck sang.

Minutenlang anhaltender Applaus belohnte die jungen Sänger für ihre Festdarbietung, so dass sie mit der Zugabe „Es ist ein Ros entsprungen“ den Abend ruhig ausklingen ließen.

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Lüneburg, St. Michaeliskirche, 13.12.2009

Überragende Klangkultur

hjr. Traditionellen Männergesangsvereinen würden vermutlich bei diesem Anblick die Augen tränen: Es gibt ihn noch, den Nachvvuchs, die Jungen und jungen Herren, die sich vom Gesang begeistern lassen. Der von ]örg Breiding geleitete Knabenchor Hannover, einer der renommiertesten seiner Art, vveist von solchen Talenten gleich viele auf. Ausgereifte Stimmen in sämtIichen Tonlagen für diese Besetzung, vvarm timbriert, glockenhell in den Gipfellagen, in der künstlerischen Ausgestaltung auf beachtlichem Niveau.

Davon überzeugte sich beim Lüneburg-Gastspiel auch das Publikum in der gut besuchten St. Michaeliskirche. Es bot eine Vielzahl bekannter und weniger populärer Werke in anspruchsvollen Sätzen, jeweils in feinster Abstimmung hoch konzentriert wiedergegeben. Ein signifikantes Merkmal ist der wunderbar zarte Piano-Ton, zum Beispiel in Johann Eccards "Ich steh an deiner Krippen hier".

Mit gleicher Akkuratesse gelingen Tempowechsel und dynamische Differenzierungen. Technische Fertigkeiten, die zu einer erstaunlichen Klangkultur führen, herausragend unter anderem in Bachs "Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ mit Doppelchor, entsprechend raffinierten Kanon-Effekten und federndem Jubilieren. "Ave, maris stella“ von Monteverdi setzte zum Auftakt einen Maßstab, den die folgenden Beiträge bestätigten. Selbst um kraftvoll souveräne Solostimmen ist der Knabenchor nicht verlegen. "Lob Gott ihr Christen allzugleich“ und "Quem pastores" aus der Feder von Michael Praetorius oder Händels euphorisches "Tochter Zion, freue dich" markierten weitere Glanapunkte in einem Programm, das sich über mehr als zwei jahrhunderte Musikgeschichte spannte. Pure Festtagspracht, etwa "In dulci jubiIo“, und andächtig zurückhaltende Kompositionen fügten sich zu klug dosierten Kontrasten.

Verblüffende Textverständlichkeit und lupenreine Intonationen begeisterten in dem mit lautem Applaus und begeistertem Trampeln honorierten Konzert. Michaelis-Kantor Henning Voss setzte mit zwei Bach-Bearbeitungen von "Nun komm, der Heiden Heiland" Zäsuren auf der Orgel.

Landeszeitung, Lüneburg, 15.12.2009

hjr. Traditionellen Männergesangsvereinen würden vermutlich bei diesem Anblick
die Augen tränen: Es gibt ihn noch, den Nachvvuchs, die Jungen und jungen Herren, die sich
vom Gesang begeistern lassen. Der von ]örg Breiding geleitete Knabenchor Hannover, einer
der renommiertesten seiner Art, vveist von solchen Talenten gleich viele auf.
Ausgereifte Stimmen in sämtIichen Tonlagen für diese Besetzung, vvarm timbriert,
glockenhell in den Gipfellagen, in der künstlerischen Ausgestaltung auf beachtlichem Niveau.

Davon überzeugte sich beim Lüneburg-Gastspiel auch das Publikum
in der gut besuchten St. Michaeliskirche. Es bot eine Vielzahl bekannter und
weniger populärer Werke in anspruchsvollen Sätzen, jeweils in feinster
Abstimmung hoch konzentriert wiedergegeben. Ein signifikantes Merkmal ist der wunderbar
zarte Piano-Ton, zum Beispiel in Johann Eccards "Ich steh an deiner Krippen hier“.
Mit gleicher Akkuratesse gelingen Tempowechsel und dynamische Differenzierungen.
Technische Fertigkeiten, die zu einer erstaunlichen Klangkultur führen, herausragend unter
anderem in Bachs "Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ mit Doppelchor, entsprechend
raffinierten Kanon-Effekten und federndem Jubilieren. "Ave, maris stella“ von Monteverdi
setzte zum Auftakt einen Maßstab, den die folgenden Beiträge bestätigten.

Selbst um kraftvoll souveräne Solostimmen ist der Knabenchor nicht verlegen.
"Lob Gott ihr Christen allzugleich“ und "Quem pastores" aus der Feder
von Michael Praetorius oder Händels euphorisches "Tochter Zion, freue dich"
markierten weitere Glanapunkte in einem Programm, das sich über mehr
als zwei jahrhunderte Musikgeschichte spannte. Pure Festtagspracht, etwa "In dulci jubiIo“,
und andächtig zurückhaltende Kompositionen fügten sich zu klug dosierten Kontrasten.
Verblüffende Textverständlichkeit und lupenreine Intonationen begeisterten in dem mit lautem
Applaus und begeistertem Trampeln honorierten Konzert. Michaelis-Kantor Henning Voss setzte mit
zwei Bach-Bearbeitungen von "Nun komm, der Heiden Heiland" Zäsuren auf der Orgel.

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