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Reisebericht Wolfenbüttel

Konzertbus


 

 

 

Untenstehend lesen Sie einen Reisebericht unseres Mitglieds
Wolf-Dietrich Lübeck über die Konzertbusreise nach Wolfenbüttel.


Vor dem Hauptaltar der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis                 Foto: Heimo Klemm
Wolfenbüttel, 21.09.2008


Zudem haben wir für Sie die Reiseinformationen
noch einmal zum Nachlesen unter "Archiv Wolfenbüttel" hinterlegt. 

Desweiteren finden sie dort alle Informationen zum Wirken von
Michael Praetorius und seiner Michaelisvesper.

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Konzertbusreise nach Wolfenbüttel am 21. September 2008

Meine erste Konzertbusreise: Ich bin gespannt, wie der Ablauf des Tages sich wohl gestalten wird. Frühmorgens Treffen in der Langensalzastraße. Der Konzertbus der Firma Schörnig ist schon da. Nach und nach treffen immer mehr Teilnehmer dieser Reise ein und begrüßen einander als alte Konzertbushasen. Dann geht es los. Frau Thomson stellt sich als Reiseleiterin vor und gibt von Zeit zu Zeit Hinweise zum Ablauf des Tages. Erste Pause unterwegs an einer Raststätte. Der Busfahrer öffnet kurzerhand eine Klappe seitlich am Bus, Klapptisch raus, Brötchentüten, Kaffee und Tee. Eine nette Unterbrechung.

In Wolfenbüttel angekommen geht es gleich zu einer Stadtführung, die wegen der Größe unserer Gesellschaft in zwei Gruppen stattfindet. Unsere Gruppe hat eine sehr humorvolle Stadtführerin, die ihren Vortrag immer wieder mit Zitaten würzt, u.a. von Wilhelm Busch, der auch einen Teil seines Lebens in Wolfenbüttel verbrachte. Für mich war es das erste Mal in Wolfenbüttel. Ohne diese Konzertbusreise wäre mir diese hübsche kleine Stadt weiterhin unbekannt geblieben. Dabei lohnt sich dieser Ort als Ausflugsziel allemal.

Mittagessen im Restaurant eines Hotels. Gutes Essen zu moderaten Preisen und nette Unterhaltung mit Mitreisenden. Nach einer kleinen Pause unser nächstes Kulturziel, die Herzog-August-Bibliothek. Gehört hatte man ja schon mal von diesem Institut... wahrscheinlich ein „verstaubter Laden“, wo genauso „verstaubte Leute“ Forschungen betreiben. Weit gefehlt. Ein Herr führte uns durch diese Bibliothek, der alles andere als „verstaubt“ war, der recht leidenschaftlich von seiner Arbeit berichtete. Und dass diese berühmte Bibliothek im Prinzip für alle da ist, war mir neu.

Der Konzerttermin rückt immer näher. Eine Stunde vor der Aufführung finden sich die meisten am Eingang der Kirche ein. Schließlich möchten wir alle gute Plätze haben....

Michaelisvesper von Michael Praetorius in Wolfenbüttel

Wie beschreibt man das Erlebnis, ein solches Werk zu hören?
Ein Gesamtwerk, wie es so wohl noch nie aufgeführt wurde, welches nur im Zusammenhang einen Sinn ergibt und beschrieben werden kann. Ich hoffe mir gelingt letzteres.

Das Konzert findet statt in der Stadtkirche zu Wolfenbüttel mit dem Namen Beatae Mariae Virginis. Es ist eine der ersten Kirchen Norddeutschlands, die von vornherein als evangelische Kirche gebaut wurden. Es handelt sich um eine reichhaltig ausgestattete Renaissancekirche.

Fast eine Stunde vor dem Konzert ist Einlass. Das sichert mir und anderen Besuchern hervorragende Plätze ziemlich weit vorn. Bald kommen die Instrumentalisten in die Kirche und der Knabenchor Hannover auf die Bühne, d.h. den für ihn vorgesehenen Platz, erhöht hinter dem Orchester. Vorn, direkt vor den Kirchenbänken stehen Podeste für die Solisten, die reichliche Auftritte haben.

Der Anfang ist ein A-cappella-Stück, gesungen von der Schola, d.h. 4 Herren. Danach kommen das Orchester, der Gesamtchor und die Solisten zum Zuge. Das geschieht in wechselnden Zusammensetzungen, 1 bis 4 Knabensolisten, oder Knaben- und Erwachsenensolisten, entweder im Wechsel oder zusammen.

Das Gesamtwerk besteht aus einer sehr kraftvollen Musik, die alles andere als langweilig ist. Selten habe ich rund 400 Jahre alte Musik erlebt, die für mich zum Teil so modern klingt. Selten habe ich ein solches Werk erlebt, in dem so viele Solisten, insbesondere Knabensolisten zum Zuge kommen. Und das in einer sagenhaften Perfektion!

Die Perfektion insbesondere dieser Knabensolisten versetzt mich in eine Begeisterung, die ich so noch nie bei einem Konzert des Knabenchores Hannover erlebt habe. Und ich habe in den letzten Jahren schon sehr viele Konzerte dieses Chores erleben dürfen. Immer noch geht mir ein Stück aus der Michaelisvesper nicht aus dem Sinn, in welchem ein Knabensolist und der Tenorsolist zusammen singen, und der Knabensolist den Tenor fast locker an die Wand singt. Der Junge hat nicht gebrüllt, sondern in hoher Qualität mit einer unwahrscheinlichen Kraft gesungen. Dieses Konzert versetzt mich geradezu in einen Rausch. Hochspannung von Anfang bis Ende. Eine fantastische Leistung des Knabenchores Hannover, insbesondere seiner Solisten!

Am Ende des Konzertes tosender Beifall. Aber selbst der größte Beifall wird der unglaublichen Leistung dieses Chores, der Solisten und Instrumentalisten noch lange nicht gerecht.

Ein wenig bleibe ich noch in der Kirche, unterhalte mich mit einigen anderen Konzertbesuchern. Gerade will ich die Kirche verlassen um noch eine Ausstellung zu besuchen, da beginnt der Chor wieder zu singen.... Eigentlich hatte sich der Knabenchor Hannover noch mal für eine Fotosession aufstellen sollen, vermutlich für das Cover der im Frühjahr erscheinenden CD der Michaelisvesper. Die Jungen fangen einfach an zu singen. Locker und fröhlich aus ihrem sonstigen Repertoire. Da erklingen ihre lateinamerikanischen Lieder aus Kuba und Chile. Die noch anwesenden Besucher bekommen also noch ein halbes Konzert geliefert. Es ist erfrischend, zu bemerken, dass auch die Knaben und Männer des Chores eine liebfreche Rasselbande sind. Sowohl das Konzert wie auch dieses „Nachkonzert“ sind der beste Beweis, dass diese Jungs vom Knabenchor ganz normale Jungen sind.

Am Ende singen sie dann „Der Mond ist aufgegangen“. Selbst dieses Lied klingt nicht abgedroschen sondern wunderschön lebendig und trotzdem getragen. Und noch eine Anmerkung sei mir gestattet: Was ich an diesem Sonntag in der „Michaelisvesper“ an Leistung vom Knabenchor Hannover erlebt habe, macht mich doch verwegen. So verwegen, dass ich sage: Ich kann mir vorläufig keinen anderen der guten deutschen Knabenchöre vorstellen, dass sie auch solche Leistungen bringen können wie der Knabenchor Hannover mit seiner Uraufführung der Michaelisvesper!

Wer dieses Konzert nicht erleben konnte hat dazu noch die Gelegenheit am  Sonntag, den 12. Oktober 2008 um 17 Uhr in der St. Lamberti Kirche in Oldenburg und am Sonntag, den 23. November 2008 um 18 Uhr in der St. Anna Kirche in Twistringen.

Danach...

So lange hatte ich der Aufführung dieses Werkes durch den Knabenchor Hannover entgegengefiebert. Und nun ist es schon vorbei. Die Eindrücke wirken in meinem Kopf immer noch nach. Die Rückreise nach Hannover verläuft routinemäßig. Und ich hoffe, dass ich mal wieder eine solche Reise mitmachen kann. Es hat doch großen Spaß gemacht. Am liebsten würde ich noch eine Aufführung sehen. Ansonsten fiebere ich dem Erscheinen der CD zu diesem Werk entgegen.

Vorschlag: gerade bei einer solchen Uraufführung sollte man doch überlegen, ob man nicht auch eine Musik-DVD, wie bei anderen besonderen Aufführungen, herausbringen sollte.

Wolf-Dietrich Lübeck
Mitglied im FREUNDESKREIS KNABENCHOR HANNOVER


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