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Reisebericht Dresden

Konzertbus nach Dresden

Wenn einer eine Reise tut…dann kann er sein Blaues Wunder erleben. Nach Dresden, in Dresden und um Dresden herum in jedem Fall. Sie merken schon, ich sortiere mich gerade gedanklich. Eindrücke schieben. Erinnerungen sortieren. Das, wo ich doch gar kein Pauschaltouristentyp bin. Aber über genau das schreiben will. Und es genau um ein solches Erlebnis geht. »Konzertbus nach Dresden«, ich war an Bord. 4.000 Zeichen sind zu füllen, sagen meine Redaktionskollegen.

So weit, so gut. So weit die Herausforderung. »Wo fängste an? Welche Brille aufsetzen?« Die des Ehemaligen, der nach 25 Jahren wieder in einem Knabenchorbus auf Tour geht? Die imaginäre eines Knabenpapas? Die des Mitgliedes im Kreis der Freunde des Knabenchors Hannover? Die des Redakteurs des KNABENCHOR HANNOVER CHORMAGAZIN, in dem Sie gerade genussvoll schmökern? Oder doch die des vorfreudigen Teilzeitbassisten, der 2006 selbst noch 10 Konzerte mit dem KNABENCHOR HANNOVER geben wird? Kurz entschlossen, ich gehe einfach hinter die Kulissen, subjektiv nachhaltige Momentaufnahmen der Erinnerung zu skizzieren. Das macht frei von Zwängen und transportiert Authentizität. Über Frauenkirche, Zwinger, Semperoper (Verblüffend, wie viele Menschen noch um 23.00 Uhr eine Führung besuchen!) oder das chinoise Schloss Pillnitz ein Wort zu verlieren, hieße schließlich, Eulen nach Athen zu schleppen. Ebenso unnütz, das stilistisch mutige Leipziger Gewandhaus haarklein zu beschreiben. Man muss es einfach selbst gesehen haben. So wie wir während des Zwischenstopps auf der Hinfahrt nach Dresden. Ein absoluter Tipp also für den Konzertbus nach Leipzig 2007, wenn Sie Lust haben. Schlaglichter hinter den Kulissen, schrieb ich. Deswegen endlich in medias res.

Freitag Abend. Meißen. Tatortwetter. Albrechtsburg und Dom thronen besitzergreifend über der Stadt. Der Chor lässt Hammerschmidt durch die heiligen Hallen der sakralen Geschichte schwingen. Ergreifende Akustik. Unter einer nahen Eisenbahnbrücke: fünf Menschen, zwei Busse und ein Grill. Ratternde Züge statt Hammerschmidt. Ein Baby weint. Ist noch zu klein für Konzertbesuche. Mama zu sein, erfordert Kompromisse. 22.00 Uhr, Happy End. Zwei Busse rollen zurück nach Dresden. Chor, Konzertbusler und Grillgruppe wieder vereint. Es wird eine ausgelassene, längere Nacht in der Hotelbar. Samstag Mittag. Brühlsche Terrasse. Sahnewetter. Noten fliegen im Wind. Der KNABENCHOR HANNOVER singt. Open air, nicht vom Winde verweht. Plötzlich ein Vorgefühl von Fußballweltmeisterschaft. Weiße Fähnchen mit Chorlogo im Bekennerblock des Publikums. Liebevolle Sonderanfertigungen, geschwenkt im Takt. Wahrer Anhänger des Chores zu sein, verpflichtet.

Samstag Abend. Dresden, Münzgasse. Wieder Tatortwetter. Hunger. Auf den Open-Air-Bühnen rund herum freie Platzwahl. Beim Spanier den letzten ergattert. Auch open air, aber überdacht. Gut, dass es Radiatoren gibt. Enge Gasse, dahinströmende Menschen, vollbesetzte Lokale und Außentische. Bunte Lichter. Musik aus offenen Fenstern und Türen. Jacke aus, Ärmel hoch. Vino tinto, Tapas satt, Crema Catalana. Gleich dahinten ist das Mittelmeer – ich könnte wetten. Sonntag Morgen. Elbufer. Weltuntergang. Petrus’ Schleusen sperrangelweit offen. Windstärke X. Wer hat eigentlich die Raddampferfahrt nach Pillnitz bestellt … Kragen hoch, Schirm zwecklos, Frühschoppen unter Deck? Kaum auf dem Strom flussaufwärts: das blaue Wunder. Erst wolkenloser Himmel, lachende Sonne.

Kurze Zeit später das mit dem großen »B«. Erinnerungen an den Hudson, Elbtalidylle, imposante Pegelmarken, das Stampfen der Maschine, »Könnt ihr mal für ein Foto nach achtern kommen?«… Das Leben kann so schön sein! Sonntag Nachmittag. A14. Völkerwanderung. Haben die alle kein Zuhause? Halb Deutschland auf einer Raststätte. Expo-Revival vor der Porzellanabteilung. Schlange stehen ist nicht gut für X-Beine. Kaffee adé. »15 Minuten Pause«, sagte der Busfahrer. Trotz Menschenmassen, die Wirtschaft will scheinbar keinen Umsatz machen. Sonntag Abend. Hannover. Knoten im Knie. Wann, sagte ich, wäre ich das letzte Mal mit dem KNABENCHOR HANNOVER auf Bustour gewesen? Zur Begrüßung eine Dusche von oben. Willkommen zu Hause! Wo ist meine Reisetasche? Ach ja, der Fotokoffer. »Können wir gleich los?« Hände schütteln. Innerlich ankommen. Es gibt viel zu erzählen… Mit dem Konzertbus, da kann man was erleben. Blaue Wunder und mehr. Und nächstes Jahr stellt sich vielleicht in Auerbachs Keller die Gretchenfrage …

Christian Brune


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