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Pressespiegel Weiss-Requiem Braunschweig




Stimmen verstummen, der Trost wird fraglich

Requiem des Salzgitteraners Harald Weiss (zweitaufgeführt, Red.)

Von Andreas Berger

Besonders der Schluss ist ergreifend in seiner Schlichtheit, seiner fragenden Gebärde: Nach dem Jüngsten Gericht bittet der Chor um den Erlass der Hölle, um die Gnade des seligen Lebens. Da verhauchen sich die Stimmen in einer Abwärtsbewegung, wird aus den Worten bloßer Atem, erklingt noch einmal das einsame Trompetensignal wie ein Gruß aus der Ferne. Der Trost bleibt fraglich, eher verlassen klingen die Töne einstiger Zuversicht nach.

Der in Salzgitter geborene Komponist Harald Weiss behauptet in seinem am Sonntag in Braunschweig (zweitaufgeführten, Red.) Requiem nicht mehr die Glaubensgewissheit seiner großen Vorgänger. Doch er findet vielfältigen Ausdruck für den Übergang in dies ungewisse Seinsstadium und zitiert dabei die Sichtweisen der Religionen.

Der katholische Requiem-Text mit dem drohenden Jüngsten Gericht kommt ebenso vor wie die Abschiedsrede des Rabindranath Tagore. Und durch die Integration von Gedichten Hermann Hesses oder Rainer Maria Rilkes nimmt Weiss die Form des protestantischen Requiems von Brahms auf. Ja mit den Einwürfen von Tenor- oder Sopransoli, den Knabenstimmen und der an das Schlachtfeld erinnernden Trompete reflektiert er auch Benjamin Brittens "War Requiem".

In der Aufführung mit dem Knabenchor Hannover unter der Leitung von Jörg Breiding besticht vor allem die engelsgleiche Reinheit der Knabenstimmen, die Präzision, das auch im Piano waltende Strahlen. Darüber legt sich zuweilen der intensiv leuchtende Sopran von Dorothee Mields. Auch Tenor Andreas Karasiak steuert eine weitgehend vibratofrei aufscheinende Stimme bei. Hier ringen schon Seelen, nicht mehr die körperbehafteten Menschen um ihr Heil. [...]

Dirigent Breiding arbeitet mit der NDR Radiophilharmonie im zweiten Teil den totentanzartigen Zug gut heraus. Auch achtet er sehr auf dynamische Kontraste und klangliche Schichtung.

Dass Weiss gerade das "Veni Sanctus Spiritus" als etwas hektischen Galopp auslegt, überzeugt wenig. Doch insgesamt vermag seine auf räumliche Klangwirkung angelegte Komposition, gerade auch mit ihren vielen sphärischen und gefühlvollen Momenten durchaus zu berühren und für die Auseinandersetzung mit dem Tod zu sensibilisieren. Viel Applaus in der nur halb gefüllten Katharinenkirche.

(3.11.2009)


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