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Michael Praetorius - Christvesper

 

Die Weihnachtskonzerte sind vorbei

Lesen Sie hier die Stimmen der hannoverschen Presse
sowie einen Bericht unseres Mitgliedes Wolf-Dietrich Lübeck:

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Eine historische Christvesper

Wie eine Christvesper des 17. Jahrhunderts: So hatte der Knabenchor Hannover in der Marktkirche sein Programm gestaltet, entlang der Kirchenordnung für das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel von 1569 aus Werken des Wolfenbütteler Komponisten Michael Praetorius zusammengestellt.
Ein tolles Konzert- und Gottesdiensterlebnis. Der Knabenchor ließ die ganze Klangpracht des Frühbarocks erstehen. Keine besonders kraftvolle Pracht, sondern eine, die auf dem homogenen und warmen Zusammenklang von Gesang und Instrumenten basiert. Die hohen Solostimmen waren mit Knaben aus den eigenen Reihen besetzt, erstaunlich die Sicherheit und Präsenz der jungen Stimmen.
Der Chor phrasierte hervorragend, die Instrumentalisten - Hille Perl und das Gambensconsort Sirius Viols, der Bremer Lauttenchor und Mitglieder des Johann-Rosenmüller-Ensembles - unterstützten und trugen ihn. Der weiche, weniger brillante, dafür sprechendere Klang der historischen Instrumente verschmolz mit den Stimmen - historische Aufführungspraxis auf höchstem Niveau.

Neue Presse, Hannover, 15. Dezember 2008

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Advent, Advent

[...]
Chorleiter Breiding hat auf Grundlage der Musik des frühbarocken Großmeisters Michael Praetorius und der 1569 erlassenen Kirchenordnung des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel eine lutherische Christvesper arrangiert, wie sie an einem Heiligabend vor 400 Jahren in einer größeren Kirche Norddeutschlands hätte erklingen können.
Und was lehrt diese faszinierende Experiment? Die Festgottesdienste unserer Vorfahren müssen opulenter, farbiger, sinnenfroher gewesen sein - und vor allem musikalischer. Der bestens disponierte Knabenchor, der von Spitzenkräften wie der Gambistin Hille Perl, dem Lautenisten Lee Sananta und dem Johann Rosenmüller Ensemble kongenial unterstützt wird, kleidet nahezu die gesamte Vesperliturgie in innige bis prunkvolle Töne: die Psalmen, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, den Segen und auch die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium.
In der von Praetorius aufgegriffenen Tradition venezianischer Mehrchörigkeit lässt Jörg Breiding Sänger und Instrumentalisten in unterschiedlich großen Formationen mal auf der Orgelempore, mal im Seitenschiff, mal auf der Kanzel Aufstellung nehmen - was selbst in der akustisch heiklen Marktkirche zu Hörerlebnissen von beeindruckender Raffinesse und Räumlichkeit führt. [...]

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 15. Dezember 2008

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Marktkirche Hannover, 2008                                                                                      Foto: Uwe Dillenberg

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Weihnachtskonzert des Knabenchor Hannover
am 13. Dezember 2008 in der Marktkirche in Hannover

Da hatte man sich im Knabenchor Hannover doch wieder etwas Interessantes ausgedacht: das Weihnachtskonzert gestalten wie eine Christvesper zur Zeit des großen Komponisten Michael Praetorius, also vor knapp 400 Jahren.

Nachdem der Knabenchor Hannover ja schon im Herbst eine Weltpremiere gesungen hatte, nämlich die „Michaelisvesper", lag es ja nahe, mit Praetorius weiterzumachen. Allenthalben um diese Zeit singen deutschsprachige Knabenchöre bekannte Weihnachtsmusiken wie das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach, oder im englischsprachigen Bereich die Musik des „Messiah" komponiert vom G.F. Händel. Aber der Knabenchor wagt etwas ganz anderes, er singt Praetorius und landet wieder einen Hit!! Vereinzelt singen Chöre in ihren Konzerten Lieder dieses Komponisten, aber fast ein ganzes Konzert? Ist normalerweise nicht üblich. Aber unter der Leitung von Professor Jörg Breiding gelingt das natürlich. Er schafft es, seine eigene Begeisterung für diese alte Musik auf die Jungen des Knabenchor Hannover zu übertragen. Denn machen wir uns doch eins klar: Chorsätze gesangstechnisch einzuüben ist eine Sache. Aber diese auch glaubhaft vor großem Publikum vorzutragen, dazu müssen die jungen Sänger und weiteren Ausführenden auch von dieser Begeisterung ergriffen sein! Und das hat der Knabenchor Hannover wieder einmal bewiesen.

Wie schon in meinem Bericht über die Michaelisvesper gesagt: Praetorius hat in seiner Musik sehr viele Knabensolisteneinsätze vorgesehen. Das kam auch in dieser Christvesper zum Ausdruck. [...] Der Knabenchor Hannover hat hervorragende Solisten! Keiner dieser Jungen braucht sich zu verstecken. Was ich da wieder einmal an Leistung hörte, da muss ich einfach meine allergrößte Hochachtung zum Ausdruck bringen. [...] In diesem Konzert war etwas anders: das Konzertpublikum, die „Gemeinde" der Christvesper, musste auch singen, bei bestimmten Liedern eine oder zwei Strophen. Dadurch war gleich ein Kontakt zum Chor da, eine gewisse Verbundenheit. Es sangen der Gesamtchor, Solisten, oder auch verschiedene Kleingruppen bestehend aus den Solisten. Zwischendurch, an bestimmten Stellen dieser Christvesper, sangen dann nur die Männerstimmen als „Schola".

Interessant auch, dass Praetorius vorsah, bei bestimmten Gesängen Knabensolisten an verschiedenen Stellen der Kirche zu postieren und von dort singen zu lassen. Das hatte eine ganz eigenartige, überirdische, sphärische Wirkung.

Der Nachwuchschor wurde auch eingesetzt, wohl das erste Mal für diese Jungen, dass sie in einem großen Konzert mitsangen. [...] Später, während des sehr bekannten Weihnachtsliedes „Quem pastores laudavere" zogen sie mit Kerzen in der Hand nach vorn und gesellten sich dann zum eigentlichen Knabenchor.

Nun, es bleibt noch zu ergänzend zu bemerken: Der Chor wurde von kleinen Orchestern begleitet, die sich speziell mit alter Musik und historischen Orchesterinstrumenten befassen. Da wäre zu nennen: Hille Perl und Gambenconsort Sirius Viols, Bremer Lautten Chor, Johann Rosenmüller Ensemble, sowie Ulfert Smid an der Orgel. [...]

Noch eine kleine Sache am Rande: die Chorknaben wirkten sehr konzentriert und „würdevoll".... bis auf einen kleinen Knaben ziemlich weit vorn im Chor. Man sah, wie viel Freude er am Singen hatte. Und er hob sich dadurch etwas von den anderen ab. Meiner Meinung nach dürfen auch die anderen Chorknaben ihre Freude am Singen sichtbar werden lassen!

Und ich wiederhole hiermit noch einmal, was ich schon am Ende meines Berichtes über die „Michaelisvesper" sagte: Professor Breiding hat allen Grund, auf seinen Knabenchor Hannover mächtig stolz zu sein, besonders auf die exzellenten Knabensolisten. Und wenn er es nicht schon getan hat, dann sollte er ihnen dies auch unbedingt sagen.

Wolf-Dietrich Lübeck
Mitglied im FREUNDESKREIS KNABENCHOR HANNOVER