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Lesen Sie hier die neue Ausgabe des KNABENCHOR HANNOVER CHORMAGAZIN.

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Claudio Monteverdis Marienvesper 2010

60 Jahre KNABENCHOR HANNOVER,
60 Jahre FREUNDESKREIS KNABENCHOR HANNOVER,
400 Jahre Marienvesper

Rund 30 Jahre sind vergangen, seitdem der KNABENCHOR HANNOVER Monteverdis Großwerk von 1610, die Vespro della Beata Virgine (Marienvesper), 1979 erstmals vielbeachtet auf die Bühne brachte. Wie die Hannoversche Allgemeine (HAZ) damals in leicht anderem Kontext schrieb: "Monteverdi war also längst wieder einmal fällig."

400 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung folgt jetzt, 2010, die Fortsetzung mit drei Aufführungen - in Hannover, Essen und Hildesheim:

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Samstag, 22. Mai 2010, 18:00 h
Marktkirche, Hannover

Himlische Cantorey
Knabenchor Hannover
Choralschola der Folkwang Hochschule
Concerto Palatino
Musica Alta Ripa
Leitung: Jörg Breiding

Vorverkaufsbeginn: voraussichtlich März 2010

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Sonntag,
23. Mai 2010, 17:00 h
Basilika St. Ludgerus, Essen-Werden

Besetzung s.o.

Vorverkaufsbeginn: 9.5.2009
Preise (€): 35,- / 20,- zzgl. VVK-Gebühr.
Telefonische Kartenbestellung unter 0201 - 81 22 200.

Eine Koproduktion der Essener Domschatzkammer, Folkwang Hochschule Essen, Katholischen Akademie "Die Wolfsburg" Mülheim, Philharmonie Essen und der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 für !SING Musica Enchiriadis.

 

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Montag, 24. Mai 2010, 18:00 h
St. Michaelis, Hildesheim

Besetzung: s.o.

Vorverkaufsbeginn: Oktober 2009 an den bekannten Vorverkaufsstellen

Eine Produktion im Rahmen "Michaelis 2010" - 1000 Jahre UNESCO Weltkulturerbe Michaeliskirche


Zur Einstimmung sei empfohlen:

der Live-Mitschnitt des Konzertes vom 9. Juli 1979
im Galeriegebäude der Königlichen Gärten Hannover-Herrenhausen

Erhältlich bei RONDEAU Production


Die Konzertkritik der HAZ als Vorgeschmack:


Claudio Monteverdis erregende Modernität
Aufführung der Marienvesper unter Heinz Hennig in Herrenhausen

Claudio Monteverdi, dem jüngst in Zürich und weit darüber hinaus mit den Aufführungen seiner Opern, ja sogar der szenischen Verwirklichung seines 8. Choralbuches durch das Team Harnoncourt/Ponnelle weltweite Bewunderung entgegengebracht wurde, ist heute lebendiger denn je. [...] Monteverdi war also längst wieder einmal fällig. In der Aufführung der Marienvesper, dem Beitrag des NDR-Funkhauses Hannover zu Musik und Theater in Herrenhausen, fiel auf, dass es hier nach wie vor eine außerordentlich große Monteverdi-Gemeinde gibt. Im ausverkauften Galeriegebäude, das fast hundert Jahre jünger ist als die 1610 komponierte Marienvesper, wurde das lateinisch gesungene Werk in seiner chorischen, solistischen und instrumentalen Gebundenheit an den gregorianischen Choral begeistert aufgenommen. Es applaudierte ein aufgeschlossen zuhörendes Publikum, das die einmalig musikalische Größe der Vesper spürte, deren erregende Modernität für die Zeit zwischen Renaissance und Barock uns heute so faszinierend erscheint.

Heinz Hennig ging mit dem Knabenchor Hannover, den Spezialisten von Pro Cantione Antiqua aus London und den Streichern und Bläsern des Collegium aurem an die Verwirklichung Monteverdis in einem Teamgeist heran, der sich der geistigen, technischen und aufführungspraktischen Schwierigkeiten dieses ersten großen Oratoriums der Musikgeschichte voll bewusst ist. Mit welcher Hingabe und auf welch lange Sicht muss Hennig mit seinem Chor gearbeitet haben, um den rhythmischen Balanceakt der Stimmführung mit den ständigen Akzentverschiebungen, den Taktwechseln, den Dehnungen und Verkürzungen der Zeitwerte so in den Griff zu bekommen, und in der Aufführung in Spannung zu halten, wie es hier geschah.

Dass dieser Monteverdi für den Knabenchor noch weit anspruchsvoller als Schütz und Bach ist, merkte kaum jemand, so kundig und unbefangen kamen die Sänger über die ungewohnten Schwierigkeiten der Harmonik und Rhythmik hinweg. Vom schwebenden Choralstil der Einstimmigkeit bis zur doppelchörigen Polyphonie der Achtstimmigkeit wurde die lateinische Textrezitation in prägnant schwingendem Parlando auf das Natürlichste erfasst. Ermüdungserscheinungen oder ein Nachlassen in der Intensität des Chorsingens im Reigen der Psalmen, des Hymnus, des Magnificats waren nicht zu bemerken. Man muss seinen Hut ziehen vor der großen pädagogischen Leistung Hennigs. Der Knabenchor mit seinen auffallend kräftig und ausgeglichen gestaltenden jungen Männerstimmen konnte neben den ebenso klangscharf wie sensibel singenden Londoner Solisten in jeder Beziehung bestehen.

Was die Sopranistin Barbara Schlick und der Counter-Tenor Timothy Penrose in der Wiedergabe der Concerti im Magnificat und weit darüber hinaus an hochgespannten Koloraturen und raffinierten Verzierungen innerhalb ihrer Parts leisteten, war um so bewundernswerter, als Monteverdi damit die Grenzen heutiger Gesangstechnik fast überschreitet. Die konzertanten Effekte, die belkantistischen Feinheiten, vor allem die Echo-Stellen der Tenöre James Griffett und Ian Partidge wird man so schnell nicht aus den Ohren verlieren. Als ein Höhepunkt wurde die frühbarocke Virtuosität im Gloria Patri empfunden, wo die tenoralen Koloraturen in schnellstmöglichem Tempo so hinreißend mit dem ruhig geführten Choral der Knabenstimmen kombiniert sind. Aber auch die Bassisten Stephen Robert und Michael George beherrschten die heiklen, reich kolorierten Linien ihrer Parts auf das Stilsicherste.

Das Klangbild dieser Monteverdi-Aufführung [...] war ebenso weit entfernt von kargem Puritanismus wie von romantisierenden Belastungen. Das Collegium aureum mit seiner ausgezeichneten Generalbass-Gruppe - Beckedorf (Cello), Schlegel (Bass), Haferland (Gambe), Rovatkay (Orgelpositiv) - stellte kein Klangmuseum historischer Instrumente dar, sondern ein von Konzertmeister Maier geführtes, selbständiges, modern empfindendes Ensemble [...]. Im übrigen ordnete sich das Orchester dem Vokalstil des Werkes, weitgehend unter, trat dagegen in den Soli der Geigen, der Blechbläser und der Blockflöten um so raumgreifender in Erscheinung. Bedauerlich, dass die schöne, vielbeachtete Aufführung nur einmal stattfinden konnte. [...]

(Erich Limmert, HAZ, 9.7.1979)


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