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Kritik Wolfenbüttel

Nachstehend die Kritiken aus der Braunschweiger Zeitung, sowie dem dort angegliederten Regionalblatt Wolfenbüttel und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

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Die Interpreten der Michalisvesper vor dem Hauptaltar in der               Foto: Heimo Klemm
Hauptkirche Beatae Mariae Virginis, 21.09.2008

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Jubelnde Glaubenszuversicht
Konzert mit Praetorius-Werken in Wolfenbüttel

Von Rainer Sliepen

Innovationsfreude, Klangpracht, Verinnerlichung, Glaubenszuversicht – das waren die Merkmale eines Konzerts mit Werken von Michael Praetorius (1572-1621) in Wolfenbüttel.

Ausführende in der voll besetzten Wolfenbütteler Hauptkirche waren der Knabenchor Hannover, das Gambenconsort Sirius Viols mit der international renommierten Hille Perl, der Bremer Lautten Chor und das Rosenmüller Ensemble. Die Leitung hatte Jörg Breiding.

Die Rekonstruktion eines Vespergottesdiensts durch liturgiegemäße Zusammenstellung selbstständiger Einzelwerke gelang wie aus einem Guss. Venezianische Klangeffekte und virtuose Stimmführung verschmolzen mit strengem lutherischen Kirchenmusikverständnis zu einer faszinierenden Einheit.

Die chorisch wie solistisch eingesetzten Knabenstimmen betörten mit lichter Durchsichtigkeit, strahlendem Klang und unverwechselbarem Zauber.

In den homogenen Chorklang fügten sich die Vokalsolisten Henning Voss, Hans Jörg Mammel, Manuel König und Nils Ole Peters nahtlos ein. Die Lebendigkeit und Farbe des Gesamteindrucks verstärkten sich durch die unterschiedliche Aufstellung der Chöre und Instrumentalsolisten im Kirchenraum sowie mit Terrassendynamik und Echoeffekten.

Dabei zeigte sich Prätorius nicht nur experimentierfreudig, sondern als Schöpfer wunderbar einprägsamer Choralsätze. Sie setzten einen besinnlichen Kontrapunkt zu den jubilierend-emphatischen polyphonen Passagen.

Nicht zu vergessen Almuth Bretsschneider, die den den ganzen Kirchenraum füllenden Choral "Wir danken Dir, Herr Jesu Christ" mit einer rhythmisch-bewegten Orgeleinlage einleitete.

Lang anhaltender Applaus für eine außerordentliche Gesamtleistung.

newsclick.de | Braunschweiger Zeitung, Salzgitter Zeitung, Wolfsburger Nachrichten,
Dienstag, 23.09.2008

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 Knabenchor singt Vesper von Praetorius

Hochkarätig besetztes Ensemble aus Hannover bietet intensives Konzert dar - Lang anhaltender Beifall für die jungen Musiker

Wolfenbüttel. Rund zwei Jahre ist es her, seit das Michael-Praetorius-Collegium an den Knabenchor Hannover und dessen Leiter Jörg Breiding mit dem Wunsch herantrat, eine Vesper zu konzipieren.

Eine Vesper, wie sie Praetorius zu Lebzeiten (1572 bis 1621) hätte aufführen können. Mit Praetorius' Michaelisvesper entstand unter der Leitung Breidings und in Zusammenarbeit mit etlichen namhaften Spezialisten für Alte Musik ein musikalisches Gesamtkunstwerk von erhabener Schönheit und größtmöglicher Authenzität.

Drei Aufführungen an Wirkungsstätten des Komponisten sind geplant - die erste fand am Sonntagabend in der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis ein großes, begeistertes Publikum. Weitere Termine in Neustadt- Mandelsloh und Oldenburg folgen.

Die Rekonstruktion des Vespergottesdienstes folgt der für Praetorius dereinst gültigen Kirchenordnung von Herzog Julius aus dem Jahr 1569. Mit Leben erfüllt wird das liturgische Gerüst von zahlreichen Werken des Komponisten. Sie entstammen frühesten bis erst posthum erschienenen Werksammlungen und geben so zugleich einen Einblick in die stilistische Vielfalt seines Lebenswerkes.

Besonders beeindruckend: Die groß besetzten Chorkompositionen, in denen Praetorius den lutherischen Choral mit italienischen Stilelementen bereicherte. Um sein Ideal vom Kirchen erfüllenden Klang zu erfüllen, waren Instrumentalisten, Teilchöre und Solisten ständig unterwegs, um sich nach Original-Anweisungen an allen "absonderlichen Orten in der Kirche" zu verteilen. Ein Ruhepol dagegen der sonore Tenor Hans Jörg Mammels, der als Solist und Liturg Beständigkeit ausstrahlte.

Höhepunkte waren neben dem vierzehnstimmigen, klanggewaltigen Magnificat gerade auch die leiseren Passagen - etwa wenn ein einzelner klarer Knabensopran von dezenten, silbrigen Saitenklängen umwoben wurde.

Jörg Breiding dirigiert mit ruhiger, bestimmter Hand und konnte sich jederzeit auf die durch und durch hochkarätige Besetzung verlassen. Neben dem renommierten Knabenchor Hannover und seinen jungen Solisten musizierten Hille Perl und das Gambensonsort Sirius Viols.

Ferner der herausragende Lee Santana mit dem Bremer Lautten Chor, die Posaunen und Zinken des Johann-Rosenmüller-Ensembles, Almuth Bretschneider an der Großen Orgel und vier Vokalsolisten - Hans Jörg Mammel und Henning Voss (Altus), Nils Ole Peters (Bariton) und Michael Jäckel (Bass).

Lang anhaltender Beifall für eine rundum harmonische Aufführung von eindrucksvoller Intensität.

Susanne Beyer

Braunschweiger Zeitung, Wolfenbüttel, 23.09.2008

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Wie die Engel
Der Knabenchor Hannover entdeckt Praetorius

Von Stefan Arndt

Es geht weit zurück in die Vergangenheit. Faszinierend fremd tönt diese Musik ins Heute hinüber. Die Stücke, die Michael Praetorius für die damals neu erbaute Kirche Beatae Mariae Virginis in Wolfenbüttel komponierte, sind 400 Jahre alt. Doch wenn der Knabenchor Hannover sie jetzt in eben dieser Kirche wieder aufführt, verschwimmt das Zeitgefühl. Die Musik scheint von den Tagen zu künden, als die Erinnerung an Engel noch frisch war. Als man noch wusste, wie der Erzengel Michael den Teufelsdrachen in die Hölle stürzte. Und tatsächlich stammen die Stücke ja zumindest aus jener Zeit, in der man den 29. September zum Ehrentag des Erzengels erhob und Michaelis als hohen Festtag beging.

Die Tradition der prunkvollen Gestaltung dieses Tages ist längst abgerissen, und von der Musik des einst allgegenwärtigen Michael Praetorius ist kaum mehr als das Weihnachtslied „Es ist ein Ros’ entsprungen“ geblieben. Das Michael Praetorius Collegium, das in Wolfenbüttel seit Jahrzehnten eine Kammermusikreihe veranstaltet, hat nun mit dem Knabenchor Hannover zentrale Stücke des Komponisten entlang der 1569 von Herzog Julius erlassenen Kirchenordnung zu einem musikalischen Gottesdienst arrangiert, wie er an einem Michaelistag vor 400 Jahren in Norddeutschland hätte stattfinden können.

Musik war damals unverzichtbar, denn geredet wurde in der Kirche kaum. Lediglich in der Predigt (die bis zu einer Stunde dauerte) galt das gesprochene Wort. Glaubensbekenntnis, Bibellesung, Gebete und Segen: Alles wurde gesungen. Natürlich war Praetorius, dessen Vater bei Luther Theologie studierte, streng protestantisch, und entsprechend wichtig war ihm die Mitwirkung der Gemeinde. In seiner liturgischen Musik gibt es darum viele vergleichsweise einfache Tonsätze und Choralvertonungen. Der Knabenchor, der für sein neues Programm mit dem Gambenconsort von Hille Perl, dem Bremer Lautten Chor, dem Johann Rosenmüller Ensemble und einem Solistenquintett auf jede Menge prominente Verstärkung bauen konnte, verzichtete aber auf die Einbeziehung der Gemeinde. Stattdessen nutzte Chorleiter Jörg Breiding die Möglichkeiten der Kirche und postierte einzelne Gruppen in der Tradition italienischer Mehrstimmigkeit an verschiedenen Orten im Raum.

Beeindruckend war dabei nicht nur, wie leicht die Musiker die akustischen Probleme in der halligen Kirche lösten, sondern auch das Ergebnis: Selbst schlichte Sätze erhielten so die Farbigkeit und Raffinesse, die Praetorius’ anspruchsvollere Musik auszeichnet. Dazu gehört beispielsweise die fünfstimmige Motette „Das ist mir lieb“ von 1623 oder das drei Jahre zuvor entstandene geistliche Konzert „Venite, cantate in cythara“. Diese Stücke zeigen den Komponisten auf dem Scheitelpunkt zwischen zwei musikalischen Welten. Hier kleben noch die dunklen Quinten und Oktaven der alten Kirchenmusik an den Sätzen, dort entfalten sie sich schon licht und hell im modernen polyphonen Stil. Der Knabenchor und seine vorzüglichen Begleiter bringen all das so plastisch zum Klingen, dass die Vergangenheit irgendwann ganz gegenwärtig wird. Seine Musik, hat Praetorius geschrieben, sei ein Vorgeschmack auf die, die wir „hiernechst in den himmlischen Choren in alle Ewigkeit singen mögen“. So kommt man auch heute den Engeln wieder ganz nah.

Der Knabenchor singt Praetorius’ Michaelsvesper auch am 27. September, 19.30 Uhr, in der St.-Osdag-Kirche in Neustadt-Mandelsloh und am 12. Oktober, 17 Uhr, in der Oldenburger St.-Lamberti-Kirche. In der Marktkirche Hannover ist am 12. und 13. Dezember in der gleichen Besetzung Praetorius’ Christvesper zu hören.

24.09.2008 / Hannoversche Allgemeine Zeitung


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