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Knabenchor & Friends 2011

Männerchor? - Männerchor!

Dass ein Knabenchor aus Knaben- und Männerstimmen besteht, ist bekannt. Dass aber die Männer eines Knabenchors alleine konzertieren, ist keinesfalls selbstverständlich.

Der KNABENCHOR HANNOVER besitzt darin eine spezifische Tradition und ist seit seiner Gründung häufiger mit brillanten Interpretationen seiner Männerstimmen aufgefallen. Chorwerke dieser Besetzung sind in der europäischen Musik reich vertreten, einstimmige bis zum 9. Jahrhundert als liturgische Gregorianik oder weltlicher Volksgesang, später in differenzierteren Gestaltungen im Rahmen der sich entwickelnden Mehrstimmigkeit.

Allerdings hat der Begriff „Männerchor“ in neuerer Zeit eine Bedeutung gewonnen, die auf vergangene Musikepochen bis etwa 1800 nicht übertragbar ist. Denn seit dem frühen 19. Jahrhundert bezeichnet er nicht nur eine definierte Stimmgruppe, sondern auch bestimmte Formen gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. […]

Quelle: Auszug aus dem Programmheft zum Konzert KNABENCHOR & FRIENDS,
Männerchor & Klavier am 7. Juni 2011 im Galeriegebäude Herrenhausen.
Text: Prof. Dr. Peter Schnaus

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Nachfolgend einige Impressionen von Proben und Konzert, sowie die Kritiken:

Knabenchor überzeugt mit Männergesängen

Männerchor? – Männerchor! Was das Programmheft ankündigte, wurde tatsächlich in Musik umgesetzt. Im dritten Konzert des Projekts „Knabenchor & Friends“ traten die Männerstimmen des Knabenchores Hannover den Beweis an, dass Musik für diese Besetzung höchstes Niveau haben kann. Man muss sie eben nur „ernst“ nehmen und auch mit der nötigen Intensität proben.

Das Repertoire ist weit gefächert und umfasst natürlich auch viele Schmonzetten der einfachen Machart. Aber daneben gibt es, vornehmlich im 19. und 20. Jahrhundert, eine große Anzahl sehr anspruchsvoller Werke. Aus dieser Kategorie erklangen Kompositionen von Schubert, Mendelssohn, Abt und Reger, außerdem noch zwei Werke des Hannoveraners Alfred Koerppen.

Die Männerstimmen des Knabenchores Hannover machten sich zu überzeugenden Anwälten dieser selten zu hörenden Musik. Hochromantisch, gefühlsintensiv und sehr beseelt gestalteten sie die Stücke. Niemals aber verloren sie dabei die Kontrolle über diese Gefühle, wurden etwa sentimental oder gar kitschig. Klare Textverständlichkeit, sichere Intonation und eine hervorragende Textphrasierung machten das Zuhören zu einem Genuss auf höchstem Niveau. Hier durfte man sich persönlich davon überzeugen, warum eine finanzielle Unterstützung der Stiftung Knabenchor Hannover eine gute und nachhaltige Investition ist.

Als „Friend“ war diesmal Markus Becker, Klavierprofessor an der hiesigen Musikhochschule, mit von der Partie – hat er doch selbst die frühe Förderung durch den Knabenchor genossen. Technisch wie interpretatorisch über jeden Zweifel erhaben, erweiterte er das Programm mit Werken von Beethoven, Brahms, Reger und Debussy. Als aufmerksamer, anpassungsfähiger Begleiter des Chores konnte er auch seine kammermusikalischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. mmf/*****

Neue Presse,  09. Juni 2011

  

  

Zwei Ständchen
Echte Männerstimmen bei "Knabenchor & Friends"

Männerchöre haben nicht das beste Image. Unwillkürlich denkt man an betagte Herren, die mit der Höhe kämpfen und an ihr Scheitern, an Jägerchor und Abendruh?. Zeit, dieses Image aufzupolieren, mag sich der Knabenchor Hannover gedacht haben. Er veranstaltete in der Reihe „Knabenchor & Friends“ ein Benefizkonzert mit den Männerstimmen des Chores und dem Pianisten Markus Becker als „Friend“.

In der Galerie Herrenhausen erinnerte ihre beeindruckende Aufführung nur durch eine Sache zeitweilig an Männergesangsvereine: das Repertoire. Max Regers kurze A-cappella-Lieder „Das Lieben bringt groß? Freud“, „Sehnsucht“, „Lebewohl“ und Felix Mendelssohns „Wasserfahrt“ klingen sehr nach volksliedhaftem Strophenlied. Und das große Thema ist selbstverständlich die Liebe, in all ihren herzschmerzlichen Ausprägungen.

Die Interpretation jedoch ließ nicht an verstaubte Männerchöre denken – obwohl einige der Sänger in der Tat nicht mehr zu den Knaben gezählt werden können: Mit lupenreiner Intonation, klanglicher Ausgewogenheit, samtigem Timbre und exzellenter Textverständlichkeit zogen die rund 35 Sänger das Publikum in ihren Bann. Besonders eindrucksvoll waren die Lieder Franz Schuberts („Der 23. Psalm“, „Ständchen“ und „Gesang der Geister über dem Wasser“), das „Ständchen“ von Franz Abt und die beiden Lieder des Zeitgenossen Alfred Koerppen, der dem Chor durch seine Position im künstlerischen Beirat verbunden ist. Während dessen erstes Lied, „Auf Erden gehest du“, in der Anlage noch eher traditionell klang, verwendet er bei „Sommernacht“ einen Sprechchor, der die Aussage des Liedes lautmalerisch unterstützte.

In Schuberts „Ständchen“ konnte Bariton Nils Ole Peters mit zurückgenommener Dynamik und heller, fast tenoraler Farbgebung brillieren, in Abts „Ständchen“ glänzten vor allem die Tenöre im Chor. Bei den Schubert-Liedern wurde der Chor von Markus Becker begleitet, der auch einige Solowerke, darunter ein Brahms-Scherzo, Beethovens e-Moll-¬Sonate und zwei Sätze aus Debussys ¬„Estampes“ spielte. Mit seiner Auswahl virtuoser Stücke drängte er sich dabei ¬etwas vor die Hauptakteure – vor allem in der Zugabe mit Chick Coreas „Spain“. Trotzdem entließ das Publikum auch den Chor erst nach zwei Zugaben in die klare Abendluft der Herrenhäuser Gärten.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 09. Juni 2011

Fotos: Marcel Domeier


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