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Harald Weiss - Requiem


„Schwarz vor Augen und es ward Licht!“

Eine Reise nach Innen und die Ahnung einer Unendlichkeit


Der KNABENCHOR HANNOVER singt auf der aktuellen CD die Uraufführung des Requiems „Schwarz vor Augen und es ward Licht!“ von Harald Weiss. Mehr als ein Jahr haben die Knaben und Männer mit Chorleiter Jörg Breiding an diesem Stück gearbeitet, und nun verdichtet sich die Arbeit auf rund 90 Minuten. Die Kantorei St. Stephani und die Bremer Philharmoniker führten im Rahmen des Bremer Kirchentags 2009 bereits Teile aus dem Gesamtwerk auf.

Der zeitgenössische Komponist Weiss hat dieses große Werk dem KNABENCHOR HANNOVER gewidmet, weil er sich dem Chor seit vielen Jahren verbunden fühlt. Aber in diesem speziellen Fall geht es ihm um die Wesenhaftigkeit von Knabenstimmen.

In dem Requiem „Schwarz vor Augen und es ward Licht!“ verändern sich die Töne kaum – und doch passiert in der Musik ganz viel. Klangschichten bauen sich auf, eine einzelne Knabenstimme singt die Worte: „Lehre uns bedenken …“ aus dem 90. Psalm. Der Beginn des Requiems ist der Beginn einer Reise nach Innen. „Ich möchte, dass sich der Klang im Innersten meiner Zuhörer einstellt“, so Weiss bei einem Gespräch über sein Requiem, wenige Tage vor der Uraufführung.

-> Pressespiegel zur Uraufführung

Harald Weiss – Requiem
Schwarz vor Augen und es ward Licht
© 2010 (2-CD ROP7008/09)
Gesamtspielzeit 47:40 (CD I), 42:24 (CD II)
Neuerscheinung 1. Oktober 2010 - jetzt vorbestellen!

Quelle: www.rondeau.de

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2.10.2010

Knabenchor Hannover singt Weiss' Requiem auf CD


Im Oktober vergangenen Jahres sang das Ensemble die Uraufführung eines Requiems, das Harald Weiss im Auftrag des Knabenchors geschrieben hatte. Nun ist die Uraufführung als Livemittschnitt auf CD erschienen.


Es war einer der musikalischen Höhepunkte in der 50-jährigen Geschichte des Knabenchors Hannover: Im Oktober vergangenen Jahres sang das Ensemble die Uraufführung eines Requiems, das Harald Weiss im Auftrag des Knabenchors geschrieben hatte. Der 1949 in Salzgitter geborene Komponist, der lange in Hannover lebte und an der Musikhochschule lehrte, ist eigentlich ein Spezialist für die Avantgarde. An der Staatsoper waren seine Werke „Amandas Traum“ und „Das Gespenst“ zu hören, im Kulturprogramm der Expo veranstaltete Weiss eine „Reise in die Nacht“. Nun also hatte er sich an eine traditionsbeladene Gattung gewagt und ein Stück komponiert, das an die katholische Totenmesse angelehnt ist.


Umso erstaunlicher, dass Weiss’ musikalische Sprache ganz ungezwungen mit der jüngsten Vergangenheit umgeht. Sein Requiem kümmert sich nicht um einst fortschrittliche Errungenschaften wie die Aufgabe der Tonalität, die sich die Neue Musik erkämpft hatte. Das Stück setzt vielmehr auf Melos, auf durchgängige Rhythmen und eine klar leuchtende Harmonik und mischt dabei leichthändig Stile verschiedener Zeiten und Kulturen. Manchmal kommt es dabei dem Kitsch bedrohlich nahe – ganz überschritten wird die Grenze zum Trivialen aber nie. So klingt dieses Requiem, das warm von einem Ende ohne Schrecken kündet, oft berührend und nie abschreckend und dürfte so gute Chancen auf weitere Aufführungen haben.


Bei der Uraufführung in Hannover, die nun als Livemittschnitt auf CD beim Label Rondeau erschienen ist, präsentierten sich die Knaben, deren ätherische Stimmen ideal zum Tonfall des Stücks passen, in guter Form. Zudem überzeugten auch die Solisten Dorothee Mields und Andreas Karasiak und die zurückhaltende, präzise Begleitung der NDR Radiophilharmonie. Das neue Requiem ist anders als seine historischen Vorbilder ein stilles, sehr sparsam instrumentiertes Stück, das nicht lärmend die Schrecken des Jüngsten Gerichts ausmalt. Bei Weiss endet der traditionelle „Tag des Zorns“ in einem versöhnlichen Schunkeln im Dreiertakt, das tatsächlich geeignet scheint, den Hörer sanft einer anderen Bewusstseinsstufe entgegenzutragen.


Bis es so weit ist, dauert es allerdings gut eineinhalb Stunden, die vor dem CD-Spieler nicht ganz so schnell vergehen wie bei der Aufführung im Funkhaus. Aber Eile ist bei einem Stück über die letzten Dinge ja ohnehin fehl am Platz.


Stefan Arndt